Diagnose & Erkennen
Facharzttermin und Medikamente
Wenn der Facharzttermin näher rückt, helfen eine gute Vorbereitung und ein Überblick über die Medikamente. Beides steht hier.
Direkt zum Thema springen:
Den ersten Facharzttermin vorbereiten
Bring Befund, Fragen und ein paar Notizen mit. Das genügt für den ersten Termin.
Mitbringen
- Befundbericht und vorhandene Befunde, etwa Blutwerte, EKG oder EEG
- ausgefüllte Fragebögen
- Liste deiner Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
- Notizen zu Schlaf und Zyklus (siehe Mini-Protokoll)
- deine Fragen
Zehn Fragen, die du stellen kannst
- Welche Behandlungsbausteine empfehlen Sie mir und in welcher Reihenfolge?
- Kommen Medikamente für mich infrage und was spricht dafür oder dagegen?
- Wie läuft die Einstellungsphase ab und wie oft sehen wir uns?
- Auf welche Nebenwirkungen soll ich achten und wann melde ich mich bei Ihnen?
- Welche Untersuchungen sind vor dem Start und später nötig, zum Beispiel Blutdruck, Puls, EKG, Blutwerte oder eine Augenkontrolle?
- Wie gehen wir mit meinem Zyklus, meiner Verhütung, einem Kinderwunsch oder einer Schwangerschaft um?
- Wer verordnet langfristig und wie bekomme ich Folgerezepte?
- Was tue ich, wenn die Wirkung im Monatsverlauf schwankt?
- Wie wirken sich Koffein, Alkohol und andere Medikamente aus?
- Welche Bescheinigungen bekomme ich für Arbeit oder Studium?
Ein Mini-Protokoll ohne Perfektionsdruck
Wenn du magst, trägst du abends drei Werte von 1 bis 5 ein. Dazu, wenn du magst, ein paar Notizen:
Beispielzeile für Montag. Gestrichelt sind die Extras. Hast du Medikamente verordnet bekommen, notierst du auch, ob und wann du sie genommen hast.
Drei Tage pro Woche reichen, Lücken gehören dazu. Deine Ärzt:in sieht damit Muster über mehrere Wochen, an die du dich im Termin sonst kaum erinnerst.
Medikamente im Überblick
Welches Medikament und welche Dosis für dich passen, entscheidet deine Ärzt:in gemeinsam mit dir. Dieser Abschnitt ordnet nur ein, was es gibt, und gibt keine Empfehlung und keine Dosierung.
Stimulanzien
- Wirkung
- Wirken meist schon am ersten Tag.
- Wirkstoffe
- Methylphenidat, Lisdexamfetamin
- Rezept
- Besonderes Betäubungsmittelrezept (siehe unten)
Nicht-Stimulanzien
- Wirkung
- Wirken anders und langsamer, oft erst nach mehreren Wochen.
- Bekanntester Wirkstoff
- Atomoxetin
- Rezept
- Kein Betäubungsmittelrezept: Ein besonderes Rezept für Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Mehr dazu weiter unten bei „Warum Stimulanzien ein besonderes Rezept brauchen“. nötig
Was vor dem Start oft untersucht wird
Bevor Medikamente verordnet werden, schaut deine Ärzt:in auf Herz, Kreislauf und Allgemeinzustand. Der Umfang unterscheidet sich je nach Praxis und Wirkstoff.
- Gespräch über Herz und Kreislauf, auch in der Familie (zum Beispiel plötzliche, ungeklärte Todesfälle)
- Blutdruck und Puls
- Gewicht
- EKG: nicht bei jeder Person Pflicht, eher bei Herzproblemen oder Risikofaktoren. Manche Praxen machen es immer.
- Blutwerte, zum Beispiel die Schilddrüse
- EEG: kein Muss, manche Praxen ergänzen es
Bei erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) sind Methylphenidat und Atomoxetin laut Beipackzettel nicht geeignet. Ein Leitfaden des Zentralen ADHS-Netzes empfiehlt ab 40 Jahren eine augenärztliche Kontrolle. Frag deine Ärzt:in, ob das bei dir nötig ist.
Einiges davon, etwa EKG und Blutwerte, kann auch deine Hausarztpraxis übernehmen. Frag in der Facharztpraxis, welche Befunde sie braucht. Das ist eine Übersicht, was üblich sein kann. Was bei dir nötig ist, entscheidet deine Ärzt:in.
Am Anfang steht eine Einstellungsphase
- Vor dem StartWelche Untersuchungen und Werte nötig sind, besprecht ihr vorher, siehe „Was vor dem Start oft untersucht wird“.
- AnpassungWirkstoff und Dosis werden schrittweise angepasst, mit engmaschigen Kontrollterminen.
- Bei NebenwirkungenDu meldest dich bei deiner Ärzt:in und änderst nichts allein.
Warum Stimulanzien ein besonderes Rezept brauchen
- Methylphenidat und Lisdexamfetamin fallen unter das Betäubungsmittelgesetz.
- Ärzt:innen verordnen sie auf einem besonderen Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept), das es aktuell meist noch auf Papier gibt.
- Das Rezept ist acht Tage gültig, gerechnet ab dem Ausstellungstag (er zählt mit). Löse es zeitnah in der Apotheke ein.
- Ob nach einer Videosprechstunde verordnet wird, entscheidet die Praxis. Viele Praxen verlangen dafür einen Termin vor Ort.
- Die Einstellung übernehmen deshalb meist Psychiater:innen.
Medikamente und dein Zyklus: Warum die Wirkung schwanken kann
- Viele Frauen berichten, dass ihre Symptome und die Wirkung ihrer Medikamente im Zyklus schwanken, oft in den Tagen vor der Periode.
- Forschende diskutieren eine mögliche Erklärung: Östrogen: Ein weibliches Geschlechtshormon, wie auch Progesteron. Der Spiegel verändert sich im Lauf des Zyklus, in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren. und Progesteron wirken auf das Dopaminsystem, an dem auch ADHS-Medikamente ansetzen. Gesichert ist dieser Zusammenhang bisher nicht.
- Für eine Anpassung der Dosis nach Zyklusphase gibt es bisher keine gesicherten Empfehlungen, nur erste Hinweise aus einer kleinen Fallserie: Eine Beschreibung weniger einzelner Patientinnen. Sie liefert erste Hinweise, noch keine sicheren Ergebnisse. mit neun Frauen (de Jong et al., Frontiers in Psychiatry 2023). Die Forschung dazu ist jung.
- Kommt dir das Muster bekannt vor, führe zwei bis drei Monate lang das Mini-Protokoll mit Zyklustag. Bring es zu deiner Ärzt:in. Ob und wie sich eine Dosis anpassen lässt, entscheidet ihr gemeinsam. Die Dosis änderst du nicht selbst.
Quellen ansehen
Eingeordnet auf Basis von: gesundheitsinformation.de (IQWiG) zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen · Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV). Die Angaben zum Betäubungsmittelrezept beruhen auf der BtMVV. Zum geplanten elektronischen Rezept: Deutsche Apotheker Zeitung (April 2026). · Zentrales ADHS-Netz, Leitfaden zur Diagnostik und Therapie der ADHS im Erwachsenenalter · Packungsbeilagen von Methylphenidat und Atomoxetin (Gegenanzeige erhöhter Augeninnendruck)
Weiterlesen
Die Kurzfassung zum Mitnehmen
Das Basiswissen-Heft (6 Kapitel, ca. 15 Min.) kommt direkt in dein Postfach.
Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.
Nächster Schritt
Für die Zeit zwischen den Terminen
Zwischen den Terminen geht der Alltag weiter. Im kostenlosen Orientierungsgespräch erzählst du mir, was gerade ansteht, und wir klären gemeinsam, ob und wie ich dich begleiten kann. Den medizinischen Teil übernehmen Ärzt:innen.