Diagnose & Erkennen

Facharzttermin und Medikamente

Lesezeit ca. 4 Minuten

Wenn der Facharzttermin näher rückt, helfen eine gute Vorbereitung und ein Überblick über die Medikamente. Beides steht hier.

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Den ersten Facharzttermin vorbereiten

Bring Befund, Fragen und ein paar Notizen mit. Das genügt für den ersten Termin.

Mitbringen

  • Befundbericht und vorhandene Befunde, etwa Blutwerte, EKG oder EEG
  • ausgefüllte Fragebögen
  • Liste deiner Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
  • Notizen zu Schlaf und Zyklus (siehe Mini-Protokoll)
  • deine Fragen
Zehn Fragen, die du stellen kannst
  1. Welche Behandlungsbausteine empfehlen Sie mir und in welcher Reihenfolge?
  2. Kommen Medikamente für mich infrage und was spricht dafür oder dagegen?
  3. Wie läuft die Einstellungsphase ab und wie oft sehen wir uns?
  4. Auf welche Nebenwirkungen soll ich achten und wann melde ich mich bei Ihnen?
  5. Welche Untersuchungen sind vor dem Start und später nötig, zum Beispiel Blutdruck, Puls, EKG, Blutwerte oder eine Augenkontrolle?
  6. Wie gehen wir mit meinem Zyklus, meiner Verhütung, einem Kinderwunsch oder einer Schwangerschaft um?
  7. Wer verordnet langfristig und wie bekomme ich Folgerezepte?
  8. Was tue ich, wenn die Wirkung im Monatsverlauf schwankt?
  9. Wie wirken sich Koffein, Alkohol und andere Medikamente aus?
  10. Welche Bescheinigungen bekomme ich für Arbeit oder Studium?

Ein Mini-Protokoll ohne Perfektionsdruck

Wenn du magst, trägst du abends drei Werte von 1 bis 5 ein. Dazu, wenn du magst, ein paar Notizen:

E 3Energie
F 2Fokus
S 4Stimmung
24Zyklustag
schlechtSchlaf grob
Meeting-MarathonStichwort zum Tag

Beispielzeile für Montag. Gestrichelt sind die Extras. Hast du Medikamente verordnet bekommen, notierst du auch, ob und wann du sie genommen hast.

Drei Tage pro Woche reichen, Lücken gehören dazu. Deine Ärzt:in sieht damit Muster über mehrere Wochen, an die du dich im Termin sonst kaum erinnerst.

Medikamente im Überblick

Welches Medikament und welche Dosis für dich passen, entscheidet deine Ärzt:in gemeinsam mit dir. Dieser Abschnitt ordnet nur ein, was es gibt, und gibt keine Empfehlung und keine Dosierung.

Stimulanzien

Wirkung
Wirken meist schon am ersten Tag.
Wirkstoffe
Methylphenidat, Lisdexamfetamin
Rezept
Besonderes Betäubungsmittelrezept (siehe unten)

Nicht-Stimulanzien

Wirkung
Wirken anders und langsamer, oft erst nach mehreren Wochen.
Bekanntester Wirkstoff
Atomoxetin
Rezept
Kein nötig

Was vor dem Start oft untersucht wird

Bevor Medikamente verordnet werden, schaut deine Ärzt:in auf Herz, Kreislauf und Allgemeinzustand. Der Umfang unterscheidet sich je nach Praxis und Wirkstoff.

Üblich
  • Gespräch über Herz und Kreislauf, auch in der Familie (zum Beispiel plötzliche, ungeklärte Todesfälle)
  • Blutdruck und Puls
  • Gewicht
Je nach Fall
  • EKG: nicht bei jeder Person Pflicht, eher bei Herzproblemen oder Risikofaktoren. Manche Praxen machen es immer.
  • Blutwerte, zum Beispiel die Schilddrüse
  • EEG: kein Muss, manche Praxen ergänzen es
Augen

Bei erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) sind Methylphenidat und Atomoxetin laut Beipackzettel nicht geeignet. Ein Leitfaden des Zentralen ADHS-Netzes empfiehlt ab 40 Jahren eine augenärztliche Kontrolle. Frag deine Ärzt:in, ob das bei dir nötig ist.

Einiges davon, etwa EKG und Blutwerte, kann auch deine Hausarztpraxis übernehmen. Frag in der Facharztpraxis, welche Befunde sie braucht. Das ist eine Übersicht, was üblich sein kann. Was bei dir nötig ist, entscheidet deine Ärzt:in.

Am Anfang steht eine Einstellungsphase

  1. Vor dem StartWelche Untersuchungen und Werte nötig sind, besprecht ihr vorher, siehe „Was vor dem Start oft untersucht wird“.
  2. AnpassungWirkstoff und Dosis werden schrittweise angepasst, mit engmaschigen Kontrollterminen.
  3. Bei NebenwirkungenDu meldest dich bei deiner Ärzt:in und änderst nichts allein.
Warum Stimulanzien ein besonderes Rezept brauchen
  • Methylphenidat und Lisdexamfetamin fallen unter das Betäubungsmittelgesetz.
  • Ärzt:innen verordnen sie auf einem besonderen Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept), das es aktuell meist noch auf Papier gibt.
  • Das Rezept ist acht Tage gültig, gerechnet ab dem Ausstellungstag (er zählt mit). Löse es zeitnah in der Apotheke ein.
  • Ob nach einer Videosprechstunde verordnet wird, entscheidet die Praxis. Viele Praxen verlangen dafür einen Termin vor Ort.
  • Die Einstellung übernehmen deshalb meist Psychiater:innen.
Medikamente und dein Zyklus: Warum die Wirkung schwanken kann
  • Viele Frauen berichten, dass ihre Symptome und die Wirkung ihrer Medikamente im Zyklus schwanken, oft in den Tagen vor der Periode.
  • Forschende diskutieren eine mögliche Erklärung: und Progesteron wirken auf das Dopaminsystem, an dem auch ADHS-Medikamente ansetzen. Gesichert ist dieser Zusammenhang bisher nicht.
  • Für eine Anpassung der Dosis nach Zyklusphase gibt es bisher keine gesicherten Empfehlungen, nur erste Hinweise aus einer kleinen mit neun Frauen (de Jong et al., Frontiers in Psychiatry 2023). Die Forschung dazu ist jung.
  • Kommt dir das Muster bekannt vor, führe zwei bis drei Monate lang das Mini-Protokoll mit Zyklustag. Bring es zu deiner Ärzt:in. Ob und wie sich eine Dosis anpassen lässt, entscheidet ihr gemeinsam. Die Dosis änderst du nicht selbst.
Quellen ansehen

Eingeordnet auf Basis von: gesundheitsinformation.de (IQWiG) zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen · Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV). Die Angaben zum Betäubungsmittelrezept beruhen auf der BtMVV. Zum geplanten elektronischen Rezept: Deutsche Apotheker Zeitung (April 2026). · Zentrales ADHS-Netz, Leitfaden zur Diagnostik und Therapie der ADHS im Erwachsenenalter · Packungsbeilagen von Methylphenidat und Atomoxetin (Gegenanzeige erhöhter Augeninnendruck)

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Nächster Schritt

Für die Zeit zwischen den Terminen

Zwischen den Terminen geht der Alltag weiter. Im kostenlosen Orientierungsgespräch erzählst du mir, was gerade ansteht, und wir klären gemeinsam, ob und wie ich dich begleiten kann. Den medizinischen Teil übernehmen Ärzt:innen.

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